Christophe Coin  und Ensemble Baroque de Limoges

Eine beispielhafte Laufbahn

Er ist ursprünglich Cellist, das ist bekannt. Er spielt im Quartett und ist außerdem Dirigent und Lehrer. Doch vor allem ist er Musiker. Und das heißt, dass er nicht spielen kann, ohne zu fühlen und nicht fühlen kann, ohne zu verstehen. Solche Erfordernisse prägen das Leben eines Künstlers. Sein Studium führte ihn zum großen Repertoire, doch als all-round Musiker wollte er auch zeitgenössische Musik uraufführen und wollte außerdem lernen, wie man Alte Musik spielt, Musik des 17. oder 18. Jahrhunderts. Schließlich ging es ihm einfach darum, zu wissen, wie man jede Musik spielt, jeden Komponisten, ja, jedes Werk, ohne sich um die kleinlichen Querelen verschiedener Schulen zu kümmern; er wollte Partituren und Abhandlungen lesen, die Musikgeschichte und ihre Originaltexte studieren.

Doch dies reichte immer noch nicht. Die Suche führte zu den damaligen Instrumenten und ihrer Entwicklung, den verschiedenen Spielarten und Instrumentenbauern. Und genau da kommt die Erfahrung und die Sensibilität des Musikers zum tragen. Christophe Coin erkannte das Wesentliche: sein Ansatz vereint die technische Beherrschung des Instruments mit der Forschung von Spielart und Instrumentenkunde, nicht so sehr zum Selbstzweck, als zur Anwendung dessen – mit Hilfe von Intuition und einer langjährigen Erfahrung –, was uns weder Bücher noch Partituren sagen können. Ihm geht es darum, die innere Logik des musikalischen Diskurses des Komponisten zu finden. Daher die Notwendigkeit seinen einzigartigen, persönlichen Ansatz zuerst auf ein Quartett zu erweitern, dann auf ein Instrumentalensemble und schließlich die Singstimme miteinzubeziehen.

Cellist und Gambenspieler? Ja, aber ebenso Forscher und Lenker. Barock? Gewiss, aber er ist ebenso heimisch in der Musik der Romantik und der Moderne. Er hat einen ansteckenden, fieberhaften Wissensdrang für alles was Klang betrifft; er läßt nichts ungetan, um die ursprüngliche Frische und den Geist jedes Werkes wieder aufleben zu lassen. Und in Christophe Coins Risikobereitschaft ist jede neue Interpretation einzigartig und nie identisch wiederholbar.

Noch mußten sich aber andere Musiker finden lassen, die diesen künstlerischen Ansatz sowohl menschlich als auch geistig teilten. Das Ensemble Baroque de Limoges entstand nicht in einem Tag. In der geheimnisvollen Alchimie von geduldigem Zusammenspiel wuchsen die ausgewählten Musiker erst allmählich zu einem Ensemble zusammen. Alle teilen dieselben hohen Ansprüche und jeder bringt das Ergebnis seiner Kenntnisse, Ideen und persönlicher Erfahrung mit. Sie bilden zusammen einen lebenden Organismus, atmen gemeinsam, führen dieselbe Bewegung gemeinsam aus und durch die langjährige gemeinsame Arbeit reagieren sie vom selben Gedanken getragen als Ganzes. Das Ensemble schöpft seinen Reichtum aus den einzelnen Elementen, die jedes Mitglied ständig einbringt.

Gilles Cantagrel

Übersetzung: Corinne E. Ioli


L'Ensemble Baroque de Limoges :
La Borie 87110 Solignac, France